Gasetagenheizung: Alles zu Kosten, Austauschpflicht und Verbot 2026
In Wohnungen galt die Gasetagenheizung lange als das Mittel der Wahl. Anders als bei einer Gaszentralheizung besitzt mit einer Etagenheizung jede Wohneinheit eine eigene Heizung, was die Heizkostenabrechnung, Einstellung und Kostenverteilung deutlich vereinfacht. Aus klimapolitischen Gründen jedoch findet derzeit ein Umdenken statt, weshalb eine Gasetagenheizung nicht immer Sinn macht.
So galt das Heizen mit Gas lange Zeit als kostengünstig und vergleichsweise umweltschonend. Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine änderte sich die Lage dramatisch. Eine drohende Mangelversorgung mit Gas und die dadurch steigenden Gaspreise sind seitdem für Haus- und Wohnungseigentümer ein Grund, über einen eventuellen Austausch der Heizungsanlage nachzudenken. Ein weiterer Punkt ist der Klimawandel. Heizungen mit fossilen Brennstoffen stehen auf dem Prüfstand.
Gebäudemodernisierungsgesetz 2026: Müssen Eigentümer ihre Gasetagenheizung austauschen?
Nein. Eine funktionsfähige Gasetagenheizung muss 2026 grundsätzlich nicht ausgetauscht werden. Bestehende Anlagen dürfen weiterhin betrieben und bei einem Defekt repariert werden. Eine pauschale Austauschpflicht allein aufgrund des Alters der Heizung besteht ebenfalls nicht mehr.
Seit dem 29. Juli 2026 gelten die wesentlichen Regelungen des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Damit ist auch die frühere Vorgabe entfallen, nach der neu eingebaute Heizungen grundsätzlich mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen mussten. Eigentümer erhalten dadurch wieder mehr Freiheit bei der Wahl des Heizsystems.
Neue Gasetagenheizung weiterhin erlaubt
Ist eine Gasetagenheizung irreparabel defekt, darf grundsätzlich auch 2026 wieder eine neue Gasheizung eingebaut werden. Eine Verpflichtung zum Einbau einer H2-Ready-Heizung aufgrund der kommunalen Wärmeplanung gibt es nach der neuen Rechtslage nicht mehr.
Wer nach dem 29. Juli 2026 eine neue Gasheizung in ein bestehendes Gebäude einbaut, muss allerdings künftig die sogenannte Biotreppe berücksichtigen. Sie schreibt schrittweise steigende Anteile klimafreundlicher Brennstoffe vor:
| Jahr | Mindestanteil |
|---|---|
| ab 2029 | 10 % |
| ab 2030 | 15 % |
| ab 2035 | 30 % |
| ab 2040 | 60 % |
Die Anforderungen können beispielsweise durch Biomethan oder bestimmte Formen von Wasserstoff erfüllt werden. Ab 2045 müssen die zum Heizen eingesetzten Brennstoffe vollständig klimaneutral sein.
Förderung beim Austausch einer Gasetagenheizung
Eine neue Gasetagenheizung selbst wird nicht über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst. Attraktive Fördermittel gibt es dagegen, wenn Eigentümer die Gasetagenheizung durch ein förderfähiges klimafreundliches Heizsystem ersetzen.
Die Grundförderung beträgt aktuell 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Selbstnutzende Eigentümer erhalten beim Austausch einer funktionsfähigen Gasetagenheizung zusätzlich einen Klimageschwindigkeitsbonus von derzeit 16 Prozent. Anders als bei einer gewöhnlichen Gaszentralheizung spielt das Alter der Gasetagenheizung für diesen Bonus keine Rolle.
Zusätzlich kann abhängig vom zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen ein Einkommensbonus von 10, 30 oder 40 Prozent hinzukommen. Insgesamt sind für selbstnutzende Eigentümer Zuschüsse von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten möglich.
Weitere Informationen zu den aktuellen Zuschüssen finden Interessierte in unserer Übersicht zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Wissenswertes über die Gasetagenheizung
Bei einer Gasetagenheizung handelt es sich um eine Gastherme. Sie eignet sich für die Nutzung in einzelnen, abgeschlossenen Wohnungen, etwa in einem Mehrfamilienhaus, oder auch – wie der Name schon sagt – für den Einsatz auf einer Etage.
Die Therme erzeugt Wärme durch das Verbrennen von Gas. Über einen Wärmetauscher wird das Wasser im Heizkreislauf erhitzt. Es gelangt dann in die Heizkörper und versorgt die Wohnung mit Wärme. Bei einer Gas-Kombitherme ist die Warmwasserversorgung integriert. Andernfalls wird das Wasser wird über einen separaten Durchlauferhitzer im Bad und in der Küche erwärmt.
Gasetagenheizungen arbeiten effizient, die eingesetzte Energie wird nahezu vollständig in Wärme umgesetzt. Die Geräte sind klein und finden problemlos im Badezimmer oder im Flur Platz.
Im Gegensatz dazu benötigt eine Gaszentralheizung, die das gesamte Haus mit Wärme und Warmwasser versorgt, einen Raum im Keller des Gebäudes. Allerdings muss für jede Wohnung beziehungsweise Etage bei einer Gasetagenheizung eine eigene Gastherme angeschafft werden.
Welche Kosten verursacht eine Gasetagenheizung?
Die Anschaffungskosten für den Brennwertkessel betragen ab 3.500 Euro bis circa 7.000 Euro. Der niedrigere Preis bezieht sich auf Thermen ohne Warmwassererzeugung. Dazu kommen die Einbaukosten und die jährliche Wartung, die mit etwa 150 bis 250 Euro anzusetzen ist.
| Komponente | Kosten |
| Gastherme | 3.500 bis 7.000 Euro |
| Warmwasserspeicher | 2.000 bis 6.000 Euro |
| Installation | 1.000 bis 2.500 Euro |
Laufende Kosten
Die Verbrauchskosten hängen von den Preisen der Gasanbieter, den Heizgewohnheiten und der Dämmung des Gebäudes ab. Die Kosten für 60 qm setzen sich also aus mehreren Faktoren zusammen. Wenn zwei Personen in der Wohnung leben, liegt der durchschnittliche Gasverbrauch bei 8.400 kWh/Jahr, wenn die Gasetagenheizung nur heizt. Kommt die Warmwassererzeugung dazu, liegt der Gasverbrauch pro Jahr bei etwa 9.600 kWh. Die Kosten für 60 qm können demnach bei einem Gaspreis von 12 Cent rund 1.000 Euro jährlich betragen (nur Heizen) oder über 1.100 Euro (inklusive Warmwassererzeugung).
Zu den reinen Verbrauchspreisen kommt der Grundpreis, den die Anbieter für die Leitungsbereitstellung, Abrechnung und weitere Grundkosten in Rechnung stellen. Als Vermieter tragen Sie die Einbaukosten, die Wartungskosten können Sie auf den oder die Mieter umlegen. Die Grund- sowie Verbrauchskosten muss der Mieter bezahlen.
CO2-Abgabe berücksichtigen
Apropos Kosten: Die CO2-Abgabe musste bis Ende 2022 Mieter vollständig bezahlen. Seit dem 1. Januar 2023 ist eine Aufteilung möglich. Die CO2-Abgabe durch den Vermieter richtet sich danach, wie hoch der Kohlendioxidausstoß pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr ist. Je höher der Kohlendioxidausstoß ist, desto höher liegt der Anteil der CO2-Abgabe, den der Vermieter übernehmen muss. Einige Beispielrechnungen, die sich bei dem Zehn-Stufen-Modell ergeben:
- Bei einem CO2-Ausstoß unter 12 kg trägt die Kosten nur der Mieter.
- Liegt der Wert zwischen 12 und 17 kg, entfallen auf den Mieter 90%, auf den Vermieter 10%.
- Dann steigt der Anteil schrittweise an, bis die höchste Stufe erreicht ist.
- Bei einem CO2-Ausstoß über oder gleich 52 kg beträgt die CO2-Abgabe durch den Vermieter 95%, der Mieter bezahlt die restlichen 5 %.
Welche Alternative zur Gasetagenheizung gibt es?
Vielleicht denken Sie beim Stichwort „klimafreundliche Heizung“ daran, die bisherige Heizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen. Aber bei einer Gasetagenheizung kommt dieser Austausch nicht ohne weiteres infrage. Die Gasetagenheizung ist weiterhin eine gute Lösung für Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus. Die Umrüstung funktioniert nur, wenn eine komplett neue Heizungsanlage zum Einsatz kommt. Lassen Sie sich ausführlich beraten, wenn Sie Eigentümer eines Mehrfamilienhauses sind oder zusammen mit anderen Eigentümern eine Eigentümergemeinschaft bilden. Prinzipiell eignet sich eine Grundwasser-Wärmepumpe für ein Mehrfamilienhaus, unabhängig davon, ob Altbau oder Neubau. Maßgeblich sind jedoch auch die Kriterien Wärmedämmung, Kombination mit Solarthermie und natürlich die Kosten.
Wenn Sie Ihre Gasetagenheizung gegen ein erneuerbares System tauschen, können Sie mit einer Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) rechnen. Diese liegt bei mindestens 30 Prozent Grundförderung und durch weitere Boni bei bis zu 70 Prozent. Wichtig: Eine neue reine Gasetagenheizung wird nicht gefördert. Bezuschusst wird nur der Umstieg auf eine erneuerbare Heizung bzw. eine Hybridheizung. Zuständig ist die KfW.
Wenden Sie sich bei Fragen an erfahrene Experten, damit Sie die optimale Lösung finden. Eine funktionierende Gasetagenheizung brauchen Sie nicht auszutauschen. Trotzdem ist es empfehlenswert, wenn Sie über eine mögliche Alternative Bescheid wissen. Behalten Sie Kosten, Energiebilanz, neue Technologien und klimafreundliche Heizungsvarianten im Blick, dann können Sie bei Bedarf rasch handeln.