Flüssiggasheizung: Alles zu Kosten, Verbot, Vor- und Nachteile

Flüssiggasheizung wird von einem Heizungsbauer richtig eingestellt

In Deutschland sind Flüssiggasheizungen nicht sehr verbreitet. Angesichts der politischen Entwicklungen im Zuge der Energiewende tritt Flüssiggas jedoch wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Denn es gilt als vergleichsweise umweltfreundlicher Brennstoff, da seine Nutzung mit einem geringen CO2-Ausstoß einhergeht. Deshalb kann Flüssiggas unter bestimmten Umständen – insbesondere in Kombination mit erneuerbaren Energien – eine gute Alternative zu anderen Heizanlagen sein.

Erfahren Sie hier, worin sich Flüssiggas von herkömmlichem Erdgas unterscheidet, wie eine Flüssiggasheizung funktioniert und welche Vorteile sie gegenüber anderen Heizsystemen bietet. Lesen Sie außerdem, mit welchen Anschaffungs- und Betriebskosten Sie rechnen müssen, wenn Sie eine Flüssiggasheizung kaufen möchten, ob es staatliche Förderungen gibt und wie die aktuelle Gesetzeslage bezüglich dieser Heizsysteme aussieht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flüssiggas?

Flüssiggas ist eine Mischung aus mehreren Gasen, insbesondere Propan, aber auch Butan. Je nach Anwendung kann die Zusammensetzung von Flüssiggas variieren. Dagegen besteht Erdgas vor allem aus Methan. Seinen Namen hat das Flüssiggas wegen seiner Eigenschaft, schon bei leichtem Druck aus dem normalerweise gasförmigen in einen flüssigen Zustand zu wechseln. Flüssiggas entsteht als Nebenprodukt bei der Erdöl- und Erdgasförderung und wird heute als Energieträger genutzt anstatt (wie früher) verbrannt zu werden.

Flüssiggas (auch Liquefied Petroleum Gas, kurz LPG genannt) wird nicht nur in Feuerzeugen und beim Camping zum Kochen verwendet. Sie können es auch als Autogas an Tankstellen kaufen oder in Ihrem Haus zum Heizen verwenden.

Wie funktioniert eine Flüssiggasheizung?

Flüssiggastank im Vorgarten eines Einfamilienhauses

Grundsätzlich unterscheidet sich die Funktionsweise einer Flüssiggasheizung nicht von der einer Gasheizung, die mit Erdgas oder Biogas betrieben wird.

Das Flüssiggas, das für den Betrieb der Heizung benötigt wird, lagert in einem speziellen Flüssiggastank, der im Garten aufgestellt wird. Je nach verfügbarem Platz kann der Tank oberirdisch oder unterirdisch platziert werden. Damit ist das Heizsystem unabhängig von dem öffentlichen Gasnetz und eignet sich somit hervorragend für Gebäude, die keinen Zugang zu dem Gasnetz haben. Auch für Immobilien, deren Zugang zum Gasnetz aufgrund der hohen Entfernung (mehr als 500 Meter) mit zu hohen Kosten verbunden wäre, bietet sich eine Flüssiggasheizung an.

Die Lagerung von Flüssiggas im eigenen Garten hat noch einen anderen wichtigen Vorteil: Es macht Sie unabhängiger von eventuellen Lieferengpässen der Gasversorger und gewährleistet somit eine hohe Versorgungssicherheit. Außerdem riecht es nicht und kann auch zum Kochen verwendet werden.

Der Energiegehalt von Flüssiggas ist höher als bei Erdöl und Erdgas und auch in Sachen Umwelt kann Flüssiggas im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern punkten.

Ist Flüssiggas umweltfreundlich?

Auch wenn Flüssiggas ein Nebenprodukt bei der Erdöl- und Erdgasförderung ist, ist es ein fossiler Brennstoff und gehört nicht zu den erneuerbaren Energien. Im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen wie Heizöl entstehen bei der Verbrennung von Flüssiggas jedoch deutlich weniger Emissionen. Flüssiggasheizungen setzen beispielsweise rund 15 % weniger CO2-Emissionen frei als Ölheizungen.

Außerdem hat Flüssiggas einen hohen Brennwert. Das heißt, es braucht weniger Flüssiggas als andere fossile Brennstoffe, um dieselbe Energiemenge zu erzeugen. Bei der Verbrennung entsteht sehr wenig Feinstaub, sodass die Luftqualität hierdurch kaum belastet wird. Da Flüssiggas keine Gefahr für Gewässer darstellt, kann es selbst in Wasserschutzgebieten gelagert werden.

Darüber hinaus lässt sich eine Flüssiggasanlage mit vielen anderen umweltfreundlichen Heiztechniken kombinieren, zum Beispiel als Komplett-Set mit einem Blockheizkraftwerk oder einer Solaranlage.

Kosten einer Flüssiggasheizung

Bei der Frage nach den Kosten einer Flüssiggasheizung in einem Einfamilienhaus ist zwischen den Anschaffungskosten und den laufenden Kosten (Betriebskosten) zu unterscheiden.

Zu den Anschaffungskosten gehören die Kosten für das Heizsystem selbst und den Flüssiggastank, in dem das Flüssiggas gelagert wird, sowie die Kosten für die Installation (Material, Einbau, Anschluss). Je nach Modell, Größe und beauftragtem Unternehmen können die Preise hierfür variieren. Als grobe Orientierung kann die folgende Auflistung dienen:

  • Heizsystem (Komplett-Set): ca. 4.000 bis 7.000 Euro
  • Flüssiggastank: ca. 1.500 bis 2.200 Euro
  • Installationskosten: ca. 2.000 bis 3.000 Euro

Daraus ergeben sich Gesamtkosten für die Anschaffung einer Flüssiggasheizung (Komplett-Set) von ca. 7.500 bis 12.200 Euro.

Darüber hinaus sollten Sie auch die Betriebskosten in Ihre Überlegung einbeziehen, wenn Sie Ihre Heizungsanlage auf eine Flüssiggasheizung umrüsten möchten. Zu den laufenden Kosten gehören in erster Linie die für das Flüssiggas selbst sowie Service- und Wartungskosten. Die Kosten für das Flüssiggas hängen natürlich von den jeweiligen Gaspreisen und dem Gasverbrauch ab. Die folgende Übersicht gibt eine ungefähre Einschätzung über die laufenden Kosten einer Flüssiggasheizung (pro Jahr) in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus:

  • Gasverbrauch: ca. 1.200 bis 1.500 Euro
  • Wartung: ca. 150 bis 250 Euro
  • Schornsteinfeger: ca. 100 bis 150 Euro

Demnach fallen in einem Einfamilienhaus in der Summe jährlich ungefähr 1.350 bis 1.900 Euro Betriebskosten für die Flüssiggasheizung an.

Tipp: Durch einen staatlichen Zuschuss, den Sie unter bestimmten Umständen auch erhalten, wenn Sie auf eine Flüssiggasheizung umrüsten, lassen sich die Anschaffungskosten eventuell senken.

Staatliche Fördermöglichkeiten einer Flüssiggasheizung

Eine klassische Flüssiggasheizung wird 2026 nicht über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst. Das gilt auch für moderne Flüssiggas-Brennwertheizungen. Die frühere Förderung für Gas-Hybridheizungen und sogenannte Renewable-Ready-Heizungen gibt es in dieser Form nicht mehr.

Förderfähig können dagegen regenerative Komponenten sein, die mit einer Flüssiggasheizung kombiniert werden. Ergänzen Eigentümer ihre Heizung beispielsweise um eine Wärmepumpe oder Solarthermieanlage, kann der förderfähige regenerative Teil der Anlage bezuschusst werden. Die Flüssiggasheizung selbst bleibt von der Förderung ausgeschlossen.

Für eine förderfähige regenerative Heizung beträgt die Grundförderung aktuell 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Selbstnutzende Eigentümer können abhängig von ihrem Einkommen zusätzliche Boni erhalten. Wird eine bestehende fossile Heizung vollständig ersetzt, kann unter bestimmten Voraussetzungen außerdem der Klimageschwindigkeitsbonus von aktuell 16 Prozent hinzukommen. Insgesamt sind für Selbstnutzer Zuschüsse von bis zu 80 Prozent möglich.

Bei einem Wärmepumpen-Hybrid-Kompaktgerät mit einem nicht förderfähigen fossilen Zusatzwärmeerzeuger werden pauschal 65 Prozent der Gesamtkosten dem förderfähigen Wärmepumpenanteil zugerechnet. Auf diesen Anteil wird anschließend der individuelle Fördersatz angewendet.

Das gilt 2026 für Flüssiggasheizungen

Auch nach der Reform des Heizungsgesetzes bleiben Flüssiggasheizungen erlaubt. Seit dem 29. Juli 2026 gelten die wesentlichen Regelungen des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Die frühere pauschale Vorgabe, nach der neu eingebaute Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen mussten, ist damit entfallen.

Bestehende Flüssiggasheizungen dürfen grundsätzlich weiter betrieben und repariert werden. Auch der Einbau einer neuen Flüssiggasheizung ist weiterhin möglich.

Wer nach dem 29. Juli 2026 eine neue Flüssiggasheizung in ein bestehendes Gebäude einbaut, muss allerdings künftig die sogenannte Biotreppe beachten. Danach muss ein steigender Anteil der bereitgestellten Wärme mit klimafreundlicheren Energieträgern erzeugt werden:

JahrMindestanteil
ab 202910 %
ab 203015 %
ab 203530 %
ab 204060 %

Bei Flüssiggasheizungen kann diese Vorgabe insbesondere durch biogenes Flüssiggas erfüllt werden. Das Gesetz ermöglicht zudem unter bestimmten Voraussetzungen die Anrechnung von Solarthermie sowie Wärmepumpen-Hybridlösungen.

Langfristig soll die Wärmeversorgung vollständig klimaneutral werden. Für Gas, Öl und Flüssiggas sieht das Gebäudemodernisierungsgesetz deshalb vor, dass die zum Heizen in Verkehr gebrachten Brennstoffe ab 2045 vollständig klimaneutral sein müssen. Die genaue Ausgestaltung der dafür vorgesehenen Grüngas- und Grünölquote soll noch in einem gesonderten Gesetz konkretisiert werden.

Jan-Philipp Hotze

Über den Autor

Jan-Philipp Hotze

Als Geschäftsführer von ökoloco ist es Jan-Philipps Ziel, jeden Haushalt nachhaltig zu versorgen und dabei zu helfen, eine kohlenstoffarme Wirtschaft aufzubauen. Als Kaufmann mit einem Bachelor in Betriebswirtschaft und einem Master in Energiewirtschaft ist Jan-Philipp Ihr Ansprechpartner rund um das Thema Energieeffizienz. In unserem Ratgeber schreibt er zu allen Themen rund um Heiztechnik und Energiewirtschaft vom Wärmepumpen-Test über die Kosten von Luftwärmepumpen bis hin zur Infrarotheizung.
Fragen können Sie gerne an service@oekoloco.de richten.

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